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Forschungsprojekte

(diese Steite ist noch unter Bearbeitung und unvollständig)










Die prädiktive Validität direkter und indirekter Verfahren zur Messung der Persönlichkeit

Die Güte von Persönlichkeitstests bestimmt sich vor allem durch ihre prädiktive Validität, also die Vorhersage relevanter Außenkriterien, insbesondere sozial relevanter Verhaltensweisen. Neuere Zweiprozessmodelle sehen soziales Verhalten als Ergebnis kontrollierter und automatischer Informationsverarbeitungsprozesse an, welche auf propositional bzw. assoziativ abgespeicherte mentale Inhalte rekurrieren (Strack & Deutsch, 2004). Explizite Tests (Persönlichkeitsfragebogen) sollen nun vor allem propositionale Repräsentationen des Selbst erfassen und daher nur eine begrenzte Validität für die Vorhersage konkreten sozialen Verhaltens aufweisen. Einschränkend wirken außerdem Antworttendenzen bei der Bearbeitung von Fragebogen. Daher werden zur Messung der Persönlichkeit auch indirekte Tests (vor allem Implizite Assoziationstests, IATs) eingesetzt, deren Ergebnisse selbstbezogene Assoziationen abbilden sollen.

Bezüglich expliziter Verfahren zur Messung der Persönlichkeit stellen die Big Five – Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit – das mittlerweile gängige Klassifikationssystem dar. Bezüglich impliziter Verfahren zur Messung der Persönlichkeit existiert bisher weder eine gängige Taxonomie der theoretisch zu erwartenden oder empirisch abzubildenden Persönlichkeitsdimensionen noch ist bisher ausreichend verstanden, welche Prozesse bei der Ausführung impliziter Tests eine Rolle spielen, was sie also genau messen. Bezüglich beider Verfahrensklassen liegen bisher bemerkenswert wenige Erkenntnisse darüber vor, welche tatsächlich beobachtbaren Verhaltensweisen von welchen Persönlichkeitsfaktoren prädiziert werden (Back & Egloff, 2009).

Im Projekt wurden zunächst die psychometrischen Eigenschaften eines IATs zur Messung der Big Five überprüft (Schmukle, Back & Egloff, 2008) sowie der Einfluss von Aufgabenwechselfähigkeiten auf Resultate in Impliziten Assoziationstests untersucht (Back, Schmukle, & Egloff, 2005). Aufbauend hierauf wurden in umfangreichen Verhaltensstudien Verhaltensweisen provoziert und mit direkten und indirekten Verfahren zur Messung der Big Five in Zusammenhang gebracht (Back, Schmukle & Egloff, 2009). Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass sich IATs eignen, um Persönlichkeitseigenschaften indirekt und reliabel zu messen und dass IATs inkrementelle Validität für die Vorhersage relevanter sozialer Verhaltensweisen aufweisen (insbesondere für Neurotizismus und Extraversion).

In anschließenden Studien sollen mehrere existierende indirekte Verfahren je Eigenschaft einge-setzt und hinsichtlich ihrer Validitäten verglichen werden. Erste Untersuchungen in diese Richtung waren vielversprechend. So konnte gezeigt werden, dass direkt erfragter Selbstwert, ein Selbstwert-IAT und ein Affective Priming Task zur Messung von Selbstwert unabhängige Prädiktoren sozialer Metakognitionen darstellen (Back, Krause, Hirschmüller, Stopfer, Egloff & Schmukle, 2009). Darüber hinaus sollen neue indirekte Verfahren entwickelt werden, welche enger an differentiell orientierten Zweiprozessmodellen des Verhaltens angelehnt sind. Zudem sollen die zugrundeliegenden kognitiven Prozesse analysiert werden.

Determinanten und Entwicklung spontaner interpersoneller Attraktion

Die Qualität sozialer Beziehungen hat bedeutsame positive Effekte auf Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Gesundheit. Dementsprechend kommt einer Analyse der psychologischen Prozesse des Kennenlernens und der Formung neuer Beziehungen große Bedeutung zu. Eindrücke gegenüber fremden Personen vollziehen sich automatisch, schnell und auf der Basis minimaler Informationen. Sie stellen zugleich die zentrale Basis für unsere sozialen Entscheidungen dar, also dafür, wie wir auf andere im Allgemeinen reagieren, mit wem wir interagieren und mit wem wir kurz- und langfristige Beziehungen eingehen.

Einen ersten Schwerpunkt des Projekts bildet die Untersuchung der Determinanten des ersten Eindrucks von fremden Personen - spontaner interpersoneller Attraktion. In jedem Attraktionsurteil (z.B. Person A über Person B) lassen sich drei grundlegende Komponenten unterscheiden: der Perceiver-Effekt, d.h. die allgemeine Urteilstendenz des Beurteilers (wie sehr mag A andere Menschen im Allgemeinen), der Target-Effekt, d.h. die Tendenz des Beurteilten im Allgemeinen positiv oder negativ beurteilt zu werden (wie sehr wird B im Allgemeinen gemocht) und der Relationship-Effekt, d.h. die von diesen generellen Tendenzen unabhängige spezifische Beurteilung (wie sehr mag A speziell B). Diese Komponenten lassen sich nun mit Persönlichkeitseigenschaften in Verbindung bringen. Es werden dementsprechend drei Fragenkomplexe untersucht: Wer mag spontan fremde Personen? Wer wird spontan von fremden Personen gemocht? Wer mag speziell wen bei ersten Begegnungen? Mittels einer Verbindung von Social Relations Model (Kenny, 1994) und Linsenmodell (Brunswik, 1956) wird außerdem analysiert, über welche Mediatoren – wahrnehmbare Äußerlichkeiten und Verhaltensweisen – die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Attraktionskomponenten vermittelt werden (Back, Schmukle & Egloff, 2010a). In zukünftigen Analysen sollen außerdem verschiedenste Moderatoren der Zusammenhänge untersucht werden.

Einen zweiten Schwerpunkt des Projekts stellt die Untersuchung der Stabilitäten und Veränderungen in interpersoneller Attraktion dar, welche sich im Verlauf des Kennenlernens ergeben. Diese Fragestellungen werden mittels längsschnittlicher Studien analysiert, in denen neben spontanen Urteilen auch die sich entwickelnden Beziehungen zwischen realen Personen betrachtet werden. Zum ersten geht es darum, die Stabilität der Komponenten interpersoneller Attraktion zu analysieren (z.B. inwieweit spontan populäre Personen auch bei Langzeitbekanntschaft populärer sind). Zum zweiten soll analysiert werden, wie sich die Interkorrelationen der Komponenten interpersoneller Attraktion und Metawahrnehmungen über die Zeit verändern. Hierbei geht es um Fragen der Gegenseitigkeit (Reziprozität) und angenommenen Gegenseitigkeit (angenommene Reziprozität) der Attraktion und um die Genauigkeit, mit der Personen ihre Beliebtheit einschätzen können (Meta-Genauigkeit). In einer ersten Studie konnte die Bedeutsamkeit von situativen Faktoren der ersten Begegnung auf die Freundschaftsentwicklung nachgewiesen werden (Back, Schmukle & Egloff, 2008a). Eine weitere Studie zur Stabilität und Veränderung interpersoneller Attraktion ist in Vorbereitung (Back, Schmukle & Egloff, 2010b).

Analysen des Verlaufs der dynamischen Interaktion von Narzissmus, interpersonellem Verhalten und interpersonellen Wahrnehmungen

Narzissmus beschreibt ein tiefgreifendes Muster von Großartigkeit, Selbstbezogenheit und einem Bedürfnis nach Bewunderung sowie einen Mangel an Empathie. Zahlreiche Studien zeigen, dass diese Eigenschaften mit negativen langfristigen sozialen Folgen sowohl für Narzissten selbst als auch ihre Sozialpartner verbunden sind. Zugleich scheint Narzissmus in westlichen Gesellschaften eine immer größere Verbreitung zu erfahren und eine schwer zu verändernde Persönlichkeitseigenschaft darzustellen. Es ist also von unmittelbarer sozialer und gesellschaftlicher Relevanz, zu untersuchen, welche Dynamiken im Zusammenspiel von Persönlichkeitseigenschaften, interpersonellem Verhalten und interpersonellen Wahrnehmungen zu den negativen Folgen und der Aufrechterhaltung von Narzissmus führen.

Die langfristige soziale Maladaptivität von Narzissmus gilt als relativ unumstritten, es gibt jedoch widersprüchliche Befunde zur kurzfristigen interpersonellen Wirkung von Narzissten. Während einige Studien unmittelbare negative Auswirkungen auf soziale Indikatoren berichten, zeigen andere Untersuchungen positive Effekte auf interpersonelle Urteile bei Kurzzeitbekanntschaft (nach kurzen oder längeren Interaktionen). In einer ersten eigenen Studie (Back, Schmukle & Egloff, in press) konnte gezeigt werden, dass Narzissmus schon bei Nullbekanntschaft (ohne vorherige Interaktion) tatsächlich mit positiveren Beurteilungen durch involvierte und nicht-involvierte Beurteiler einhergeht. Interessanterweise war Popularität zudem am stärksten mit der Facette von Narzissmus korreliert, welche im Allgemeinen als die maladaptivste angesehen wird (Ausbeuten anderer und Anspruchsdenken). Mittels Linsenmodellanalysen konnte zudem gezeigt werden, durch welche Äußerlichkeiten und Verhaltensweisen Narzissten einen positiven ersten Eindruck vermitteln (z.B. auffälligere Kleidung, selbstbewussteres Auftreten). Paradoxerweise könnte die positive initiale Wirkung gerade der negativsten Eigenschaften von Narzissten eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung ihrer dysfunktionalen Verhaltensweisen spielen und die langfristigen negativen sozialen Reaktionen verstärken.

Ziel des Projekts ist es, den Verlauf der interpersonellen Wirkung von Narzissten über die Zeit hinweg und seine Bedeutung für die Aufrechterhaltung dysfunktionaler Verhaltensweisen von Narzissten besser zu verstehen. In einem ersten Schritt sollen hierzu naive Beurteiler auf Video aufgezeichnete Zielpersonen kontinuierlich beurteilen. In einem zweiten Schritt werden Gruppeninteraktionen videographiert, wobei die Art und Reihenfolge der Interaktionssituationen sowie der situative Gesamtkontext experimentell variiert werden. Schließlich sollen Feldstudien durchgeführt werden, bei denen in natürlichen sozialen Gruppierungen über einen längeren Zeitraum interpersonelle Beurteilungen, intrapersonelle kognitive und emotionale Prozesse und Verhaltensweisen im Alltag erfasst werden (ambulatorisches Assessment). Jeweils wird das dynamische Zusammenspiel von Persönlichkeitseigenschaften, tatsächlich gezeigten Verhaltensweisen und interpersonellen Urteilen von Narzissten und ihren Sozialpartnern längsschnittlich analysiert.

Genauigkeit von Persönlichkeitsbeurteilungen in direkten und computermediierten Formen der sozialen Kommunikation

Die Beurteilung der Persönlichkeit ist in unserem Alltag allgegenwärtig – ständig schätzen wir andere Menschen ein und werden von diesen beurteilt. Persönlichkeitsurteile vollziehen sich zum Teil sehr schnell und auf der Basis minimaler Informationen. Wie genau sind diese spontanen Einschätzungen fremder Personen? Es konnte gezeigt werden, dass naive Persönlichkeitsurteile auf der Basis so unterschiedlichen Materials wie Fotografien, Tonspuren, Videoaufnahmen, realen Interaktionen, der Eindrücke von Büros und Schlafzimmern oder der Kenntnis der Musikpräferenzen überzufällig genau mit Selbst- und Bekanntenangaben der Zielpersonen korrespondieren. Drei wesentliche Erweiterungen dieser Forschungsrichtung sollen im Projekt realisiert werden.

Erstens soll die Bandbreite und Qualität der erfassten Kriterien „tatsächlicher Persönlichkeit“ erhöht werden. Aufbauend auf klassischen Studien werden Persönlichkeitsurteile bei Nullbekanntschaft (die Beobachtung kurzer Selbstvorstellungen von Zielpersonen) erfasst. Diese werden nun nicht nur mit Selbstauskünften und Bekanntenauskünften der Zielpersonen, sondern darüber hinaus mit indirekten Persönlichkeitstests und einer Vielzahl unabhängiger direkter Verhaltensbeobachtungen sowie einem Aggregat aller Datenquellen verglichen. Darüber hinaus werden Eigenschaften der Zielpersonen, der Beurteiler, der Art der Information (Video, Video ohne Ton, nur Ton, Standbild, Transkript) und des verwendeten Kriteriumsmaßes als Moderatoren der Urteilsgenauigkeit untersucht und mithilfe der beobachtbaren Signale (Äußerlichkeiten und Verhaltensweisen in den Selbstvorstellungen) erklärt. Ein Großteil der Datenerhebung dieses Teilprojekts ist bereits vollzogen.

Zweitens soll die Erforschung der Genauigkeit von Persönlichkeitsurteilen auf modernen Formen computermediierter Kommunikation ausgeweitet werden. Diese nehmen einen immer größeren Anteil an real stattfindenden sozialen Interaktionen ein. In einer ersten Studie konnte gezeigt werden, dass Persönlichkeitsurteile, die allein auf der Basis von Email-Adressen gefällt wurden, überzufällig genau sind (Back, Schmukle & Egloff, 2008b). In einer weiteren Studie, die in Kooperation mit Sam Gosling (University of Texas, USA) und Simine Vazire (Washington University, USA) durchgeführt wurde, haben wir sogenannte Online Social Networks (OSNs, z.B. Facebook, Studi-VZ) untersucht. Entgegen der landläufigen Meinung zeigte sich, dass persönliche Profilseiten in OSNs weniger der Selbstidealisierung dienen, sondern eher die tatsächliche Persönlichkeit der Profilinhaber widerspiegeln. Fremde Beurteiler konnten die Persönlichkeit der Profilinhaber mit erstaunlicher Genauigkeit einschätzen (Back, Stopfer, Vazire, Gaddis, Schmukle, Egloff & Gosling, in press). Anschlussanalysen beschäftigen sich gegenwärtig beispielsweise mit der Auswertung der zahlreichen in OSNs ausgedrückten Signale (z.B. Fotos, Selbstbeschreibung, Pinnwandeinträge, verlinkte Freunde), der möglichen moderierenden Funktion von Selbstdarstellungstendenzen und der Genauigkeit, mit der Personen ihre Außenwirkung in OSNs einschätzen können.

Drittens beschäftige ich mich mit der Integration von dem in der Forschung zur Genauigkeit von Persönlichkeitsurteilen gängigem Linsenmodell mit Zweiprozessmodellen selbstbezogener Repräsentationen, der Verhaltensdetermination und der sozialen Kognition. Erste Studien hierzu sind in Vorbereitung.

Rückschaufehler bei Persönlichkeitsurteilen

Nach Eintritt eines Ereignisses können wir uns oft nicht mehr angemessen in die Vorschau-perspektive zurückversetzen. Personen gehen davon aus, das Ereignis schon vorher genauer einge-schätzt zu haben als es tatsächlich der Fall war und unterliegen daher einem Rückschaufehler. Dieses Phänomen wird in der Forschung üblicherweise mit Ereignissen bzw. Ereignisbeschreibungen oder Almanachfragen untersucht.

Das Projekt verfolgt zunächst das Ziel, den Rückschaufehler in einem neuen interessanten und unmittelbar alltagsrelevanten Bereich - bei Persönlichkeitsurteilen - nachzuweisen. In einer ersten Pilotstudie konnte gezeigt werden, dass der Rückschaufehler auch bei auf Vignetten basierten Extraversionssurteilen auftritt. Dies soll in zwei weiteren Studien für andere Persönlichkeitsmerkmale und in realen Beurteilungskontexten repliziert werden.

Darauf aufbauend sollen Erklärungsansätze für den Rückschaufehler bei Persönlichkeitsurteilen und moderierende Faktoren seines Auftretens untersucht werden. Die Erklärungsansätze wurden dabei aus der Integration der Modelle zur Beschreibung der Entstehung des Rückschaufehlers (RAFT-Modell, Hoffrage et al., 2000) und zur Entstehung von Persönlichkeitsurteilen (Linsenmodell, Brunswik, 1956) abgeleitet, so dass neben dem rein phänomenologischen Erkenntnisgewinn (Tritt ein Rückschaufehler auch bei Persönlichkeitsurteilen auf?) der Erfolg der geschilderten Experimente verspricht, wichtige Implikationen für die Theorienbildung zum Rückschaufehler, aber auch für die Forschung zu Persönlichkeitsurteilen zu liefern. Insbesondere soll für den Bereich der Persönlichkeitsurteile untersucht werden, a) welche Prozesse für das Auftreten des Rückschaufehlers verantwortlich sind (Aktualisierung von Signalwerten, Erhöhung der Sensitivität für valide Cues, motivationale Faktoren, Selbstdarstellung), b) ob Persönlichkeitsvariablen das Auftreten des Rückschaufehlers und die ihm zugrundeliegenden Prozesse moderieren und c) ob der Rückschaufehler tatsächlich (wie im RAFT-Model angenommen) ein Nebenprodukt adaptiver Wissensaktualisierungsprozesse ist, in deren Verlauf zukünftige Urteile verbessert werden.

Personenwahrnehmung blinder und sehender Menschen im Vergleich

Die psychologische Erforschung naiver Persönlichkeitseinschätzungen hat in den letzten Jahren zeigen können, dass sehende Menschen einige Persönlichkeitsaspekte (z.B. Extraversion) schon relativ gut einschätzen können, selbst wenn sie nur kurz mit den beurteilten Personen interagieren oder sogar nur kurze Videoausschnitte oder Fotografien zu sehen bekommen. Die Bedeutung der Stimme als Grundlage erster Eindrücke von anderen Menschen, sogenannte paraverbale Signale (z.B. Lautstärke, Stimmhöhe, Nervosität der Stimme etc.) wurden hingegen seltener untersucht. Darüberhinaus gibt es keine empirischen Studien in dieser Forschungstradition, welche die Personenwahrnehmung blinder Menschen analysieren. Für blinde und sehbehinderte Menschen sollte die Stimme als Signal der Personenwahrnehmung eine überaus wichtige Bedeutung einnehmen. Darüber hinaus sollte diese Personengruppe eine besondere Sensibilität für Signale der Stimme aufweisen.

Im Projekt sollen verschiedene miteinander verbundene Fragen geklärt werden: Wie gut können Menschen allgemein fremde Personen allein auf der Basis ihrer Stimme beurteilen? Wie unterscheiden sich blinde und sehende Menschen in ihren Urteilsprozessen (wie stark ziehen sie welche Signale zur Urteilsbildung heran)? Unterscheiden sich blinde und sehende Menschen in der Genauigkeit, mit der sie andere Menschen anhand der Stimme einschätzen können? Werden diese Zusamenhänge von der Art der zu beurteilenden Eigenschaft, dem Beurteilungskontext und/oder Persönlichkeitseigenschaften der Beurteiler moderiert? Die Ergebnisse dieser Studien versprechen, zu einem besseren Verständnis der allgemeinen Prozesse der Personenwahrnehmung und der Besonderheiten der Personenwahrnehmung blinder und sehbehinderter Menschen beizutragen.

Zu diesem Zweck ist geplant, eine möglichst große Zahl sehender und blinder (sowohl geburtsblinder als auch im Laufe des Lebens erblindeter) und sehbehinderter Personen zu untersuchen. Konkret sind in einer ersten Projektphase die Studien so aufgebaut, dass blinden Versuchsteilnehmern Tonspuren vorgespielt werden und sie gebeten werden, die dargebotene Person hinsichtlich verschiedener Eigenschaften einzuschätzen. Diese Einschätzungen werden anschließend mit den tatsächlich vorliegenden Persönlichkeitseigenschaften der beurteilten Personen und mit Einschätzungen durch sehende Versuchsteilnehmer verglichen. Objektiv vorliegende Merkmale der Stimme werden genutzt, um zu erklären, auf welchem Weg die Urteile zustande kommen. In späteren Projektphasen ist geplant, die Untersuchungen auf reale Interaktionen zwischen blinden und sehenden Personen auszuweiten.

Persönlichkeitsentwicklung im jungen Erwachsenenalter und die Teilnahme an Auslandsaufenthalten

Die Veränderbarkeit der Persönlichkeit und die Phasen der Persönlichkeitsentwicklung werden kontrovers diskutiert. Es gibt jedoch zunehmend Evidenz dafür, dass das junge Erwachsenenalter im Allgemeinen ein letztes 'Fenster der Persönlichkeitsveränderung' darstellt und es danach zu einer zunehmenden Stabilisierung der Persönlichkeit kommt. Der Autonomiezuwachs und die damit einhergehenden vielfältigen neuen Erfahrungen könnten wesentliche Bedingungen für die Veränderung von Persönlichkeitseigenschaften, Wertorientierungen und Bewältigungsstrategien sein. Relativ wenige Erkenntnisse gibt es bisher zum Einfluss spezifischer situativer Bedingungen sowie intra- und interpersoneller Prozesse auf die Persönlichkeitsentwicklung in dieser Phase.

Einen spannenden Kontext für die Untersuchung von Persönlichkeitsentwicklung im jungen Erwachsenenalter stellen Auslandsaufenthalte dar. Sowohl unter Schülern als auch unter Studierenden sind Auslandsaufenthalte von zumeist 6-12 Monaten außerordentlich begehrt. Zahlreiche Unternehmen, staatliche und nicht-staatliche Einrichtungen, organisieren und fördern solche Auslandsaufenthalte. Sie werden zudem in immer größerem Ausmaß als Kriterium für Auswahlentscheidungen im beruflichen Kontext herangezogen. Der erwartete Nutzen geht auf der Seite aller Beteiligten (Teilnehmer, Eltern, Einrichtung, Arbeitgeber) über den Spracherwerb hinaus. So wird ein positiver Einfluss auf die charakterliche Reifung, die Selbständigkeit und das interkulturelle Verständnis angenommen. Empirisch sind solche Effekte jedoch bisher leider unzureichend erforscht.

Im Projekt wird die Persönlichkeitsentwicklung junger Erwachsener im Kontext solcher Auslandsaufenthalte untersucht. Es soll unter anderem folgenden Fragen nachgegangen werden: 1. Hinsichtlich welcher Persönlichkeitsmerkmale unterscheiden sich junge Erwachsene, die an Auslandsaufenthalten teilnehmen, von solchen, die dies nicht tun? 2. Welchen Effekt haben Persönlichkeitsunterschiede auf das Befinden und die Anpassung während des Auslandsaufenthalts? 3. Welche Veränderungen der Persönlichkeit ergeben sich durch den Auslandsaufenthalt? 4. Welchen Effekt haben Befinden und Anpassung während des Auslandsaufenthalts auf die Persönlichkeitsveränderung? 5. Lassen sich langfristige Effekte von Auslandsaufenthalten auf die Persönlichkeitsentwicklung und die soziale und berufliche Anpassung nachweisen?

In einer ersten Studie wurden 200 Studierende, die bereits einen längeren Auslandsaufenthalt (z.B. Erasmus) absolviert hatten (sowie eine Kontrollstichprobe ohne bisherigen Auslandsaufenthalt), zu ihren Persönlichkeitseigenschaften sowie zu ihrem Befinden, der Anpassung und ihrem sozialen Netzwerk während des Auslandsaufenthalts befragt. Die Studie befindet sich im Auswertungsstadium.

In einer weiteren Studie wurden 900 Schüler (10. Klasse) vor dem Beginn ihres einjährigen Auslandsaufenthalts befragt. Erfasst wurde eine breite Palette an Persönlichkeitseigenschaften (Big Five, Selbstkonzept, Werte, Interessen, Vorurteile, Bewältigungsstile). Während des Auslandsaufenthalts (1 Jahr) wurden monatlich Maße des Befindens und der Anpassung erhoben. Eine zweite Erfassung von Persönlichkeitseigenschaften fand nach der Rückkehr der Schüler statt. Zu beiden Messzeitpunkten wurden auch eine Kontrollstichprobe befragt (N = 500). Eine dritte Befragung nach einem weiteren Jahr wurde soeben abgeschlossen. Weitere Erhebungswellen, in denen auch Indikatoren der langfristigen beruflichen und sozialen Anpassung erfasst werden sollen, sind geplant.






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